Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Aufwendungen für Unterkunft und Heizung, Mehrbedarfe entsprechend § 30 SGB XII sowie die einmaligen Bedarfe; Kranken- und Pflegeversicherung,

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martin1111
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Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon martin1111 » 11.01.2019, 10:09

Liebe Foristen,

ich erhalte seit einigen Monaten die Grundsicherung im Alter und wurde vom Sozialamt aufgefordert, mir eine andere Wohnung zu suchen, da die Kosten der jetzigen Wohnung um 161 Euro über den "angemessenen Unterkunftskosten" liegen. Dieses Schreiben wurde mit einem Häckchen bei "Gründe, wonach es unzumutbar ist, Sie zur Senkung der Unterkunftskosten aufzufordern...wurden von Ihnen auch nicht geltend gemacht" versehen.

Ich wurde nach diesen Gründen jedoch bisher überhaupt nicht befragt.

Ich wohne seit über 11 Jahren in meiner Wohnung, bin völlig alleinstehend (getrennt lebend), habe nur meine Nachbarn, leide unter Angstzuständen und Depressionen, war bzw. bin deswegen auch in ärztlicher Behandlung und würde beim Verlassen meiner Wohnung das letzte Stück meiner sozialen Existenz und Heimat verlieren. Es wäre für mich der soziale Tod. Es kommen weitere Einschränkungen wie eine vorhandene Skoliose hinzu. Außerdem wäre ich - völlig alleine - wegen meiner Angstzustände gar nicht dazu in der Lage, eine andere Wohnung zu finden und umzuziehen.

Welche Ratschläge gibt es für meine Situation? Wie sollte ich mich gegenüber den Forderungen des Sozialamtes verhalten? Welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es?

Heinrich
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Re: Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 11.01.2019, 10:49

Hallo martin1111,

laß' Dir von Deinem Arzt/Deinen Ärtzen ein Attest darüber geben, daß ein Umzug für Dich aus den von Dir benannten Gründen nicht zumutbar ist. Dieses Attest dann mit einem kurzen Begleitschreiben dem Amt einreichen und Reaktion abwarten!

Falls die Reaktion des Amts nicht wie erwünscht ausfällt, kann ich persönlich nur eine Rechtsberatung vor Ort empfehlen. Inwieweit Du erfolgreich sein kannst, kann ich leider nicht beurteilen.

Ggf. mal hier lesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Beratungshilfe

H.
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Pete123
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Re: Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon Pete123 » 11.01.2019, 14:40

Hallo Martin1111,

solltest du die Grundsicherung im Alter nur ergänzend neben deiner Rente erhalten,dann ist meine Empfehlung das du beim VDK oder SoVD eintrist.Die monatlichen Mitgliedsbeiträge sind dann als Werbungskosten voll absetzbar und kosten dich somit keinen Cent.Von dort bekommst du dann auch Beratungshilfe.
Als Sofortmaßnahme ist natürlich das von Heinrich genannte ärztliche Attest zu empfehlen,ich würde aber das Begleitschreiben möglichst kurz halten.Was du nicht geschrieben hast kann später auch nicht gegen dich verwendet werden,und ein Schreiben welches von einer kompetenten Sozialberatung formuliert wird ist immer vorzuziehen.
HINWEIS: Wer ein anrechenbares Einkommen (EU-Rente o.ä.) hat und Sozialhilfe oder Grundsicherung bezieht,der kann die Beiträge zum VdK oder SoVD in voller Höhe als Werbungskosten absetzen.Somit kostet die Mitgliedschaft keinen Cent.
Gruß Pete123 :)

martin1111
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Re: Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon martin1111 » 11.01.2019, 18:35

Lieber Heinrich, lieber Pete123,

sehr vielen Dank für Eure beiden Antworten und Ratschläge. Ich werde gleich am Montag zu meiner Ärztin gehen, um sie um ein solches Attest zu bitten. Das ist ein guter Vorschlag. Auch der Hinweis auf den VdK bzw. SoVD ist sehr gut. Der VdK hat seine Geschäftsstelle sogar in der Nähe.

Liebe Grüße, Martin

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Re: Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 11.01.2019, 19:57

Moin, Moin Martin1111,

mir stellt sich die Frage, wie Du Dein Leben prinzipiell gestaltest. Bist Du in neurologischer Behandlung und nimmst Du an Gesprächstherapien teil, um Deine Depressionen und Angstzustände in den Griff zu bekommen?

Denke das ist die Grundvoraussetzung ein erfülltes leben zu leben. Wäre schön, wenn Du Dich dazu äußern würdest. Hast Du bereits einen Antrag auf einen Wohnberechtigungsschein gestellt. Ich habe beispielsweise 60 qm zugesprochen bekommen und bekomme wegen meines Schwerbehindertenausweises noch Erhöhungen, was die Mietkosten angeht. Dann wäre es sinnvoll eine Pflegestufe zu beantragen, was übrigens ganz leicht ist. Du kannst denen auch "drohen" noch höhere Kosten tragen zu dürfen. Ich beispielsweise suche eine Wohnung, die für betreutes Wohnen geeignet ist und bin da schon fündig geworden, was die Objekte angeht. Da geht es locker deutlich über 700 € Miete und Nebenkosten und dann noch die Aufschaltung für den Betreuungsdienst. Kostet in Flensburg locker 150 €. Also nur Mut!

LG Rolf

Ps: Dazu kommen dann noch die gesamten Umzugs- und Renovierungskosten, die die Allgemeinheit trägt. Ob die Entscheidung Deines Sachbearbeiters clever ist sei dahin gestellt.
Zuletzt geändert von CuttySark am 11.01.2019, 20:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 12.01.2019, 04:15

Hallo,

Pete123 hat geschrieben:ich würde aber das Begleitschreiben möglichst kurz halten.

z.B. so: " bezugnehmend auf Ihre Nachricht vom tt.mm.jjjj. teile ich Ihnen mit, daß ich aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage bin, meine Wohnadresse, bzw. meinen ständigen Lebensmittelpunkt, zu wechseln. Als Nachweis darüber finden Sie in der Anlage ..."

H.
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martin1111
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Re: Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon martin1111 » 13.01.2019, 08:43

Lieber Rolf,

vielen Dank für das Mut machen. ich bekomme zwar schon seit Jahren Antidepressiva, die mir normalerweise helfen, aber bei so einem "Befehl" des Sozialamtes werden vorhandene Ängste doppelt und dreifach verstärkt. Ich habe aber bisher noch keinen Pflegebedarf. Meine jetzige Wohnung liegt übrigens im Erdgeschoss, was ich vielleicht gegenüber dem Amt erwähnen sollte.

Bei Gesprächskreisen zum Thema Angstzustände bin ich (noch) nicht. Es ist eigentlich ganz logisch, dass man bei solchen Schreiben Existenzangst bekommt. Wahrscheinlich ist es sogar die Absicht. Vielen Dank für Deine Tipps.

Lieber Heinrich,

das ist ein sehr gut formulierter Text, den ich gerne verwenden kann. Kurz und knapp. Mein "ständiger Lebensmittelpunkt", also meine Wohnung, soll mir genommen werden. Gut gesagt. Das ist offenbar wirklich das Ziel. Traurig, aber wahr. Auch Dir vielen Dank.

Liebe Grüße, Martin

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Re: Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 13.01.2019, 09:19

Moin martin1111,

niemand kann wissen, wer der Empfänger des Briefes für ein Mensch ist. Der Ursprung der Angst liegt in Dir begründet, und zwar in Deiner Angststörung, die Du behandeln lassen musst, wenn Du wieder ins Leben zurückkehren willst. Geschrieben wird, weil rechtliche Dinge dagegen sprechen, Dich dort weiterhin wohnen zu lassen. Ein völlig normaler Vorgang auf den Du völlig normal reagieren musst, was Du aus den bekannten Gründen heraus nicht kannst.

Also ab in den SoVD oder VDK und die mit der Aufgabe betrauen, dann den sofortigen Schritt zum Neurologen und Dich nach Möglichkeit sofort in die Klinik einweisen lassen. Nur so kann Dir optimal geholfen werden.

Mal völlig davon abgesehen habe ich meine Klinikaufenthalte als super empfunden. Meine Tochter hat Psychologie studiert und hat mir empfohlen das zu machen. Super kann ich Dir sagen. Einzelzimmer, Vollpension in Buffetform, Gruppentherapien, Einzeltherapien, Sport, Massagen, Krankengymnastik, Ergotherapien, Musiktherapien. Ich war insgesamt 6 x in verschiedenen Kliniken und würde mich sofort wieder dorthin begeben.

Liebe Grüße, viel Mut zu diesem Schritt und gute Besserung!
Rolf

Wo kommst Du her? Wenn Du aus SH kommst, dann kann ich Dir Tipps geben.
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martin1111
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Re: Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon martin1111 » 13.01.2019, 22:23

Lieber Rolf,

Du hast bestimmt absolut Recht, dass das Schreiben des Amtes "nur" ein Formschreiben ist (mit angedrohten Konsequenzen). Andererseits belastet es mich sehr. Ich wusste noch nicht, dass es bei solchen Ängsten die Möglichkeit gibt, sich in eine Klinik einweisen und therapieren zu lassen. Du kennst Dich sehr gut damit aus, dass es wirklich eine Krankheit ist. Hintergrund sind Erlebnisse von mir aus der Vergangenheit und die jetzige Situation- Ich lebe in NRW, in Essen, kenne hier auch einen Neurologen, der mich im letzten Jahr wegen Nervenschmerzen behandelt hat. Die Frage ist, ob er meine Krankheit anerkennt? Tipps von Dir nehme ich auf jeden Fall immer sehr gerne an, entweder hier oder auch als PN. Vieken Dank.

Liebe Grüße, Martin

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Re: Zwang zum Umzug in eine andere Wohnung?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 14.01.2019, 02:52

Moin martin1111,

Tante Google gibt Dir die Möglichkeit Dich umfassend zu informieren. Angststörungen sind ein breites Gebiet und lassen sich sehr gut behandeln. Zuerst zum Neurologen, mit ihm bekakeln, was Du machen kannst und dann die Sache einstielen. Geh die Sache an, weil sie Dir Lebensqualität bietet.

Ich bin voll auf die Psycho Geschichte abgefahren. 2 Gründe waren mir wichtig. Erstens hat sich meine Lebensqualität dadurch sehr positiv verbessert und da ich die Sache freiwillig angegangen bin, waren die Aufenthalte für mich Weiterbildung und Urlaub, in einer Atmosphäre, die ich mir so nie hätte leisten können. Ich habe meine Aufenthalte in den Kliniken als echten Urlaub empfunden.

Also mach was!

LG Rolf
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