Grundsicherung und Erbfall - Fragen über Fragen

Fragen zu Einkommen und Vermögen (§§ 11, 12 SGB II)

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Christiane M.
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Grundsicherung und Erbfall - Fragen über Fragen

Ungelesener Beitragvon Christiane M. » 08.10.2018, 18:33

Hallo, möchte gern als Unwissender folgendes fragen:
Jemand in Frührente bezieht Grundsicherung. Ein minderjähriges Kind wohnt bei ihm, das andere volljährige Kind befindet sich nicht mehr im elterlichen Haus, sondern zur Zeit im betreuten Wohnen und in einer Ausbildung.
Nun wird dieser Jemand voraussichtlich seinen Pflichtteil erben, weil ein Elternteil verstorben ist. Wieviel das genau an Nachlass ist, muss erst noch herausgefunden (berechnet) und erkämpft werden, aber es dürfte eine höhere Summe sein. Dh ich vermute, ab dem Tag, wo die Person ihr Erbe ausgezahlt bekommt, fällt sie mit ihrem Kind aus der Sozialhilfe heraus und muss sich von dem geerbten Geld weiterhin selbst unterhalten, bis es verbraucht ist und auch ihr anderes volljähriges, Kind welches im betreuten Wohnen lebt, finanziell unterhalten, zb die Kosten fürs betreute Wohnen voll zahlen? Ist das richtig?
Folgende Fragen: Ab welchem Erbbetrag (Höhe des Betrags) fällt man aus der Sozialhilfe raus?
Wird von der Sozialhilfe rückwirkend von dem Geld was einbehalten?
Wie muss/darf man leben, wenn man aus der Sozialhilfe rausgefallen ist und überhaupt das Geld zum Verbrauchen behalten darf : genauso arm wie vorher mit Sozialhilfebezug, bis es aufgebraucht ist?
Oder darf man das Geld auch benutzen, um sein seit vielen Jahren schlechtes Gebiss mit mehreren Zahnlücken auch im sichtbaren Bereich, defekten abgenutzten Füllungen, Parodontosebehandlung, die man zuvor mit der Sozialhilfe nie finanzieren konnte, ordentlich zu sanieren, was insgesamt ein paar Tausende an Zuzahlung zum Krankenkassenbeitrag bedeutet ?
Darf man damit einen Urlaub machen? Zb in den Dolomiten oder an der Ostsee? Natürlich preisgünstige Unterkunft.
Und dem Kind auch ein paar Wünsche (Spielzeug usw.) erfüllen, die es bisher entbehren musste?
Darf man sich von dem Geld , falls man es zum Lebensunterhalt und Verbrauch behalten darf, auch ein paar Sonderwünsche leisten, wie zb einen Wäschetrockner, Fernseher, Fahrrad oder einen neuen vernünftigen Kühlgefrierkombi, weil der alte schon seit Jahren beim Kühlregler einen Defekt hat und eigentlich entsorgt gehört?
Keine Ahnung, daher frage ich.
Vielen Dank im Voraus.

Ghostwriter
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Re: Was passiert bei Bezug von Grundsicherung, wenn man erbt?

Ungelesener Beitragvon Ghostwriter » 08.10.2018, 19:22

Hallo Christiane M.,

also, wenn man Grundsicherung nach SGB XII bezieht hat man ein geschütztes Schonvermögen von 5.000 €. -Punkt!-

Wenn man erbt, zählt das als Einkommen und muss tatsächlich verbraucht werden, bis die Voraussetzungen für Grundsicherung wieder greifen.

• Für Zahngesundheit ist die KK und der Zahnarzt zuständig. Auch in der ges. KK kann man die Zähne vorzeigbar herrichten lassen.
• Natürlich kann man auch in Urlaub fahren, es kommt drauf an, wie "kräftig man auf den Putz hauen will." (Malle und Gran Canaria ./.
Weltreise.
• Sicherlich kann man seinem Kind auch "kleine" Wünsche erfüllen
• Verständlich, wenn man seine weiße Ware (Kühlschrank, Herd, WaMa, etc.) erneuert.

Sollte allerdings festgestellt werden, dass das Erbe absichtlich und vorsätzlich "verbraten" wurde um dann wieder auf GruSi zu kommen, wird der "Jemand" Schwierigkeiten bekommen.

Eine persönliche Empfehlung von mir: Maßvoll mit dem Erbe umgehen, Erneuern, was erneuert werden muss, einen "normalen" Urlaub planen usw., dann wird "Jemand" keine Probleme bekommen.

Es ist zwar immer verlockend, gerade wenn man länger von GruSi lebt, sich seine Sehnsüchte zu erfüllen, aber ......

....nur das Bsp. Fernseher: Wenn er doch läuft, warum Erneuern? Das ist nicht nachvollziehbar. Anders bei einem zwar funktionstüchtigen, aber 20 Jahren alten Kühlschrank. Da kann man den Wechsel gut begründen (Energiespar-Thema). Auch mit Zahnersatz: es gibt Lösungen ohne Zuzahlung, oder eben (auch der Zahnarzt ist Geschäftsmann) mit hohen Zuzahlungen.

In diesem Sinne ...
Gruß GW

Christiane M.
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Re: Was passiert bei Bezug von Grundsicherung, wenn man erbt?

Ungelesener Beitragvon Christiane M. » 08.10.2018, 19:36

vielen Dank. Zu den Zähnen: Bei mir wird's teuer, weil ich die meisten herkömmlichen Materialien, wie zb Amalgam, nicht vertrage, bin extrem Allergiker.Sonst hätt ich das ja schon längst machen lassen, wenn die Zuzahlungen nicht wären.
Allein für eine notwendige gründliche Zahnfleischbehandlung hat der Zahnarzt mir einen Kostenvoranschlag von knapp 270 Euro gemacht, die die Krankenkasse nicht übernimmt.
Natürlich hab ich nicht von Gran Canaria Urlaub gesprochen, das versteht sich von selbst.
Der große Kühl-Gefrierkombi ist zwar erst 6 Jahre alt und hat viel Platz innen, war aber das Billigste vom Billigsten, und er bildet ganz schnell ne dicke Eisschicht an der Rückwand seitlich. Dann sind sogar die Regale und Gläser eingefroren, das Abflussrohr für das Tauwasser ist nonstop gefroren, und es müssen ständig Tücher im Kühlschrank unten ausgelegt werden, weil es sonst eine Überschwemmung gibt. Damit leben wir zwar schon länger, aber es sind keine Dauerzustände. Reparatur lohnt sich nicht.
Zuletzt geändert von Christiane M. am 08.10.2018, 19:46, insgesamt 3-mal geändert.

Christiane M.
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Re: Was passiert bei Bezug von Grundsicherung, wenn man erbt?

Ungelesener Beitragvon Christiane M. » 08.10.2018, 19:53

Ghostwriter hat geschrieben:Hallo Christiane M.,

also, wenn man Grundsicherung nach SGB XII bezieht hat man ein geschütztes Schonvermögen von 5.000 €. -Punkt!-
Gruß GW


Wieso das denn? Ich dachte das hat man nur dann, wenn man das Vermögen schon VOR Bezug der Grundsicherung hatte. Ich dachte, dieser Erbzufluss zählt nur als Einkommen und man muss es dann bis man nichts mehr hat, verbrauchen.

Christiane M.
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Re: Grundsicherung und Erbfall - Fragen über Fragen

Ungelesener Beitragvon Christiane M. » 08.10.2018, 20:12

Und noch eine ganz wichtige Frage. WANN muss das Sozialamt von der Erbschaft in Kenntnis gesetzt werden: Vor Erhalt der Erbschaft, wenn man bereits davon weiß und sie erwartet, oder erst dann, wenn das Geld tatsächlich auf dem Konto ist?

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Re: Grundsicherung und Erbfall - Fragen über Fragen

Ungelesener Beitragvon Uwe Kruppa » 08.10.2018, 20:18

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Re: Grundsicherung und Erbfall - Fragen über Fragen

Ungelesener Beitragvon Christiane M. » 08.10.2018, 21:24

Ach, und mir fallen weitere Fragen ein:
Wie ist das, wenn man geerbt hat und die Sozialhilfe wird eingestellt, und man lebt von dem geerbten Geld, und ansonsten hat man als Einkommen nur seine mickrige Rente von unter 400 Euro und das Kindergeld für ein Kind: Darf man dann im Tafelladen noch weiter einkaufen oder nicht?

Und muss man dann trotz diesem geringen Einkommen von Rente und Kindergeld GEZ zahlen, wenn man ansonsten vom Erbe lebt?

Kann man während der Zeit Kinderzuschlag und Wohngeld beantragen und erhalten?

Das erwachsene Kind welches jetzt noch außer Haus im betreuten Wohnen wohnt und eine Berufsausbildung macht, wird vermutlich ab nächstem Frühjahr raus aus dem betreuten Wohnen sein und in eine WG ziehen. Darf man dann von dem geerbten Geld,welches man verbrauchen muss, vom Sozialamt aus gesehen das Kind jeden Monat mit einem Betrag finanziell unterstützen 50-100 Euro? Oder sieht das Sozialamt das als leichtfertige Verschwendung?
Zuletzt geändert von Christiane M. am 08.10.2018, 21:53, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Grundsicherung und Erbfall - Fragen über Fragen

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 09.10.2018, 02:04

Moin, Moin, Christine,

In der Delikatessen Oase dem Schlemmerparadies darfst Du selbstverständlich nicht mehr einkaufen und selbstverständlich darfst Du die GEZ Gebühren zahlen.

Selbstverständlich darfst Du Kinderzuschlag und Wohngeld beantragen, ob dabei etwas herum kommt sei dahin gestellt.

Selbstverständlich darfst Du auch Dein Kind unterstützen und selbstverständlich könntest Du auch in Urlaub fahren, Dir Kleidung kaufen und für 10.000 € eine neue Einbauküche.

Wenn das Geld weg ist, ist es weg. In Deutschland hing noch nie jemand tot über dem Zaun. Sorge Dich nicht, lebe.............

Liebe Grüße
Rolf
Zuletzt geändert von CuttySark am 09.10.2018, 02:06, insgesamt 2-mal geändert.
Ich bin Laie.
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Re: Grundsicherung und Erbfall - Fragen über Fragen

Ungelesener Beitragvon emmelie » 09.10.2018, 02:23

Hallo Christane M.,

ich bin da mit meinen Zähnen noch nicht viel weiter gekommen, da nichts mehr geht. Man hatte mir mitgeteilt, das ich nur die Quittungen aufheben solle, sei das erforderlich, nach hin- und her schreiben mit den Amt.... Sobald man mitgeteilt bekommt, das man erbt,muss man auch schon das Amt informieren, dann werden die Leistungen eingestellt und man ist in der Position eines Selbständigen, sobald das Geld etwa kurz vor 5000€ verbraucht ist, kann man einen neuen Antrag auf GRUSI stellen. Also man muss nicht warten, bis man bei 5000€ angekommen ist.

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Re: Grundsicherung und Erbfall - Fragen über Fragen

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 09.10.2018, 04:46

Hallo Christiane M.,

wenn Du das Erbe erhältst, wird die Grundsicherung vermutlich eingestellt.

Du kannst dann das Erbe meines Wissens nach ganz normal verbrauchen. So, als ob Du mit Grundsicherung nicht zu tun hättest. Tätige die Ausgaben, die für Dich anfallen, so wie von Dir beschrieben.

Sobald Du nahe an der Schonvermögensgrenze angelangt bist, kannst Du wieder Grundsicherung beantragen.

Zu Deinen Unterhaltspflichten gegenüber dem Kind kann ich leider nichts sagen.

Wenn es sich um ein größeres Erbe handelt, empfiehlt es sich auch eventuell, vor dem Tätigen von Ausgaben eine Rechtsberatung vor Ort einzuholen.

Du stellst hier im Forum verständlicherweise viele, viele Fragen, die Dir jedoch rechtssicher nur ein guter Fachanwalt für Sozialrecht beantworten kann.

H.
Ich bin La-la-laie, und meine Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung und/oder Einschätzung zur jeweiligen Situation dar, bzw. schildere ich, was ich selbst in der jeweiligen Situation tun würde.


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