Umzug in anderes Bundesland

Fragen zu den Leistungen für Unterkunft und Heizung (§ 22 SGB II)

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Fragende2018
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Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon Fragende2018 » 01.12.2018, 18:54

Hallo!

Meine Eltern bekommen Leistungen vom Amt - meine Mutter vom Jobcenter, mein Vater ist aufgrund einer Schwerbehinderung voll erwerbsunfähig und bekommt eine Aufstockung der EU-Rente. Beide stehen kurz vor dem Rentenalter.

Ich (weiblich) lebe mit meinem Partner in einem anderen Bundesland, wir sind beide in Vollzeit berufstätig, haben ein Eigenheim gekauft, das gerade renoviert wird, und bekommen bald ein Kind. Bei mir liegen einige gesundheitliche Probleme vor, welche die Babypflege erheblich erschweren werden. Meine Eltern würden gern in unsere Stadt ziehen, da sie bei der Enkelbetreuung mithelfen möchten. Umzugskosten würden nicht wirklich entstehen, und wenn, dann würden mein Partner und ich sie übernehmen.

Nun ist es hier extrem schwierig, eine Mietwohnung angemessener Größe zu finden, die unterhalb der Mietobergrenze liegt, erst recht aus einem anderen Bundesland heraus (sobald eine günstige Wohnung inseriert wird, muss man wirklich vor Ort sein und sofort hinfahren). Die Wohnung, in der mein Partner und ich zurzeit noch zur Miete leben, würde darunter liegen, ist allerdings echt klein (deutlich unter 60 qm), sodass sie eigentlich nur eine Übergangslösung für meine Eltern sein könnte. Da jedoch meines Wissens das Amt bei einem späteren Umzug keine höheren Unterkunftskosten übernehmen würde als das, was die momentane Wohnung kostet, würde es wohl nicht viel Sinn für meine Eltern machen, jetzt hier einzuziehen, denn zu diesem Mietpreis werden sie definitiv keine größere Wohnung in der Gegend finden.

Ich sehe im Moment nicht viele Möglichkeiten, zumal der Umzug möglichst bald stattfinden sollte, damit meine Eltern vor dem Geburtstermin herziehen können. Die einzige Variante, die mir einfällt, ist: Wir finden erst einmal übergangsweise eine größere Wohnung für meine Eltern, die aber über der Mietobergrenze liegt, und wir (mein Partner und ich) zahlen die Differenz, bis meine Eltern eine preiswertere Wohnung angemessener Größe finden. Würde sich das Amt darauf einlassen und bis zur Mietobergrenze die Unterkunftskosten für diese Übergangswohnung übernehmen? Oder geht das so nicht? Und die andere Frage ist natürlich, ob sich die Vermieter darauf einlassen. Alternativ könnte ich evtl. die Wohnung auf meinen Namen anmieten und meine Eltern würden offiziell zur Untermiete zum Betrag der Mietobergrenze dort einziehen. Würde das aus Sicht des Amtes gehen (vorausgesetzt natürlich, der Vermieter erlaubt überhaupt eine Untervermietung, was ja auch nicht zwangsläufig der Fall ist)?

Sieht jemand evtl. noch andere / bessere Varianten? Denn so richtig stimmig erscheint mir diese Idee jetzt nicht, zumal der Wohnungsmarkt hier sehr angespannt ist und es immer sehr viele Bewerber für freie Wohnungen gibt, sodass ich nicht weiß, ob sich Vermieter auf solche Dinge wie "Teilzahlung vom Jobcenter und Teilzahlung von jemand anderem" oder von vornherein angekündigte Untervermietung einlassen oder nicht doch lieber einen "unkomplizierten" Mieter ohne Sonderwünsche wählen.

Viele Grüße und danke schon mal im Voraus für jegliche Tipps!

Fragende2018

CuttySark
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Re: Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 02.12.2018, 02:42

Moin, Moin Fragende,

welche Wohnungsgröße steht Deinen Eltern? Was sagt der Wohnberechtigungsschein aus? (Ich habe als Single 2 Räume 60 qm bescheinigt bekommen)
Ansonsten gibt es nur eine einzige Möglichkeit:

SUCHEN, SUCHEN, SUCHEN

Die einzige Möglichkeit, die ich sehe heißt: Multiplikatoren schaffen - Jedem der es hören will oder auch nicht von Deinem/Euren Problem berichten und um Hilfe bitten.

Liebe Grüße
Rolf
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Heinrich
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Re: Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 02.12.2018, 04:51

Hallo Fragende2018,

Fragende2018 hat geschrieben:Da jedoch meines Wissens das Amt bei einem späteren Umzug keine höheren Unterkunftskosten übernehmen würde als das, was die momentane Wohnung kostet,

das wird vielfach angenommen, ist jedoch grundsätzlich falsch. Die neue Wohnung darf durchaus teurer sein als die bisherige. Die Miete der neuen Wohnung muß sich innert "Angemessenheitsgrenzen" bewegen. Diese sind von Ort zu Ort verschieden und beim lokalen Jobcenter oder Sozialamt zu erfragen.

Wichtig ist auch noch: das jetzige Jobcenter, von dem Deine Mutter Leistungen bezieht, muß dem Umzug zustimmen, sonst gibt's eventuell tatsächlich Probleme mit der Bewilligung neuen Wohnung, da das neue Jobcenter an Eurem Wohnort diese Erlaubnis sehen wollen wird.

Deine Mutter muß also bei ihrem jetzigen Jobcenter eine Umzugserlaubnis beantragen.

H.
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Re: Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 02.12.2018, 07:47

Moin, Moin Fragende,

wie wäre es mit einem Antrag auf Leistungen zur Pflegeversicherung für Deinen Vater?
Richtig dargestellt bringt das Geld aufs Konto.

LG Rolf
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Fragende2018
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Re: Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon Fragende2018 » 02.12.2018, 14:29

Hallo,

CuttySark hat geschrieben:welche Wohnungsgröße steht Deinen Eltern? Was sagt der Wohnberechtigungsschein aus? (Ich habe als Single 2 Räume 60 qm bescheinigt bekommen)


Einen WBS haben sie noch nicht beantragt (hier gibt es eh kaum Wohnungen mit WBS), aber haben sie noch vor. Die WBS-Regel hier ist für 2 Personen max. 60 qm. Hast du irgendwelche Spezialanträge gestellt oder ist es bei dir in der Region so festgelegt, dass 60 qm für 1 Person als angemessen angesehen werden?

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Re: Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon Fragende2018 » 02.12.2018, 14:33

Hallo Heinrich,

Heinrich hat geschrieben:das wird vielfach angenommen, ist jedoch grundsätzlich falsch. Die neue Wohnung darf durchaus teurer sein als die bisherige. Die Miete der neuen Wohnung muß sich innert "Angemessenheitsgrenzen" bewegen. Diese sind von Ort zu Ort verschieden und beim lokalen Jobcenter oder Sozialamt zu erfragen.


gibt es dazu Gerichtsurteile? Denn ich habe überall die Information gefunden, dass beim Umzug innerhalb der Region ohne triftigen Grund keine höheren Unterkunftskosten übernommen werden. Und wenn ich mir z.B. diesen Artikel hier durchlese, scheint das BGS dies zu bestätigen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/jobcenter-darf-mietkosten-auch-nach-ungenehmigtem-umzug-nicht-einfrieren-a-1077930.html

Heinrich hat geschrieben:Wichtig ist auch noch: das jetzige Jobcenter, von dem Deine Mutter Leistungen bezieht, muß dem Umzug zustimmen, sonst gibt's eventuell tatsächlich Probleme mit der Bewilligung neuen Wohnung, da das neue Jobcenter an Eurem Wohnort diese Erlaubnis sehen wollen wird.

Deine Mutter muß also bei ihrem jetzigen Jobcenter eine Umzugserlaubnis beantragen.


Gibt es denn Gründe, weswegen das Jobcenter den Umzug ablehnen könnte? Ich dachte, in Deutschland gilt Freizügigkeit?

Viele Grüße
Fragende

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Re: Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon Fragende2018 » 02.12.2018, 14:40

Hallo Rolf,

CuttySark hat geschrieben:wie wäre es mit einem Antrag auf Leistungen zur Pflegeversicherung für Deinen Vater?
Richtig dargestellt bringt das Geld aufs Konto.


er ist zwar schwerbehindert, aber ohne Merkzeichen und auch nicht pflegebedürftig. Ich hatte schon überlegt, ob er nicht beim Versorgungsamt Merkzeichen G beantragen sollte, seine letzte Begutachtung ist schon sehr lange her und er ist seitdem ja auch nicht gerade gesünder geworden. Mehr als ablehnen können sie ja eigentlich nicht. Aber das wäre sicher eine längerfristige Geschichte, die er lieber nach dem Umzug angehen sollte.

Viele Grüße
Fragende

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Re: Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 02.12.2018, 22:42

Moin Fragende,

genau wie Unternehmer strategische Pläne entwickeln um an Zuschüsse zu kommen, müssen Privatleute dies auch tun. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Also zielgerichtet umsetzen.

Liebe Grüße und viel Erfolg!
Rolf
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Re: Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 02.12.2018, 22:47

Moin, Moin Fragende,

bin nur im Wohngeldamt aufgeschlagen, habe meine Unterlagen (Einkommen + Schwerbehindertenausweis + Verordnung Rollator) mitgenommen und so bekam ich die 60 qm.

Liebe Grüße
Rolf
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Re: Umzug in anderes Bundesland

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 02.12.2018, 23:00

Moin Fragende,

jeder Leistungsempfänger darf umziehen, wohin er will, dazu bedarf es keiner Zustimmung. Ob das Amt die Kosten im Ort A oder B übernimmt spielt dabei keine Rolle. Die Zustimmung ist erforderlich, wenn die Kosten differieren (höher sind) und der Umziehende Kosten für die Wohnungsrenovierung, Umzugskosten, Mietkaution usw. haben möchte.

https://www.betanet.de/arbeitslosengeld ... lgeld.html

https://umziehen.de/an-ab-ummelden/umzu ... ialamt-542

Liebe Grüße
Rolf
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