Familie und Arbeiten im Umland und die Folgekosten

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tt67s

Familie und Arbeiten im Umland und die Folgekosten

Ungelesener Beitragvon tt67s » 19.09.2006, 17:17

Hallo,
ich hätte einmal eine Frage für die Google einfach nicht komplex genug sucht.

Meine Bearbeiterin im Jobcenter schlug vor das ich mich im Umland bewerben solle. Da kamen mir zum ersten mal die ganzen komplizierten Dinge in den Sinn die sich dann dort ergeben würden.

Ich frage einfach mal drauf los und hoffe auf helfende Antworten.

1) Wenn ich in einer anderen Stadt arbeiten würde, würde meine Frau und die vier Kinder auf keinen Fall mitziehen. Dazu kann sie ja wohl auch keiner zwingen.
Oder sehe ich das falsch und man könnte meine Frau zwingen zu meiner Arbeitsstelle zu ziehen?
Wenn ja würde sie sich von mir trennen. Sie liebt ihre Heimatstadt und will dort partout nicht weg, sonst wäre Ich schon längst mit Sack und Pack...

2) Wenn ich also in einer anderen Stadt wohne, sind meine Frau, meine Kinder und ich ja wohl immer noch eine Bedarfsgemeinschaft, wir sprechen ja hier nicht von Scheidung sondern von einem Berufsbedingten Arbeits/ Zweitwohnort. Wenn mein Gehalt also für unseren gemeinsamen Bedarf gerechnet wird, zahlt das Amt dann tatsächlich meinen Zweitwohnsitzhaushaltsstand bestehend aus Grundbedarf/Miete und Heizkosten PLUS den Hauptwohnort meiner Familie bestehend aus dem Selbigen?

Abgesehen davon würden dann doch zwei Personben den Leistungsbezug eines Erstantragsstellers beziehen (sprich 345 €), da man sich durch den großen Raum hinweg ja keine Kosten spart! Oder?

3) Meine Heimfahrten... Die man bei 4 Kindern ja ab und an mal machen muss, das meine Kinder mich auch mal sehen müssen...
Stecken die Fahrtkosten in dem ALGII mit drin und ich muss sie voll von meinem "bereinigten" Gehalt bezahlen, oder wird eine bestimmte Anzahl an Heimfahrten gestattet bzw. als Bedarf angerechnet?
Kostennachweis würde sich von selbst verstehen.
Immerhin gibt es bei einer so großen Familie mindestens die 5 Geburtstage die mein Menschenverstand als Menschenrecht einer Zusammenkunft ansieht.
Und genügend Geld für die Heimreise hätte ich ja dann, wenn man mir nicht für die Gemeinschaft abziehen würde.

Dieses wenn und aber und würde steht in direktem Zusammenhang damit, ob ich mich nun woanders bewerbe oder nicht.
Zwingen können die mich ja nicht, wegen dem Kind und Kegel, doch ich will ja arbeiten um meine Familie durchzubringen.
Ist ganz schön widersprüchlich, wie das Leben selbst.
Ist ja ein längerer Text, ich bedanke mich fürs Lesen und evtl. hilfreiche Antworten.

Kalle2
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Re: Familie und Arbeiten im Umland und die Folgekosten

Ungelesener Beitragvon Kalle2 » 20.09.2006, 11:27

Hallo tt67s,

wenn Du außerhalb Deine Wohnortes arbeitest und die tägliche Heimfahrt und Umzug nicht möglich bzw. nicht zumutbar ist, sind bei der Berechnung des bei der Leistungsberechnung zu berücksichtigenden Einkommens auch die Kosten für die sogenannte doppelte Haushaltsführung zu berücksichtigen. Dazu gehören angemessene Kosten für die Zweitwohnung sowie angemessene Kosten für Familienheimfahrten (bei Verheirateten zwei Heimfahrten pro Monat).
Nachzulesen ist das genauer in den Handlungsempfehlungen der Bundesagentur zu § 11 SGB-II, Rd-Ziff. 11.29 a - 11.29 e, die Du bei Tacheles finden kannst.

Fraglich ist also, ob und in welchem Umfang ein Umzug zuzumuten ist. Die BA schweigt sich zu diesem Thema (zumindest an dieser Stelle aus). Wenn ich mich recht erinnere, kann man als Steuerzahler die Kosten der doppelten Haushaltsführung steuerlich nur für zwei Jahre geltend machen, es spricht vieles dafür, dass das, was bei steuerlicher Berücksichtigung gilt, bei der Berechnung öffentlicher Leistungen auch (wenn nicht erst recht) gilt.
Ob man dafür allerdings riskieren darf, dass eine Familie zerbricht....?

Kalle

Hans Gram
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Re: Familie und Arbeiten im Umland und die Folgekosten

Ungelesener Beitragvon Hans Gram » 20.09.2006, 19:32

Hallo tt67s,

ich kenne das Problem. Ich wohne in Berlin und man hat mir vor 3 Jahren einen Lungenflügel wegen Krebs entfernt. Ich bin seitdem tumorfrei und habe seitdem ein Netzwerk von Ärzten, Beratungstellen, persönlichen Unterstützern u.a. aufgebaut und möchte darauf zurück greifen können, wenn es mal wieder schlimmer aussieht und nicht aus Berlin weg. Dem Arbeitsamt war das völlig egal, so daß ich jetzt immer versuche durch entsprechende Formulierungen in den Bewerbungsschreiben auf diese besondere Situation hinzuweisen, zumal ich wegen der Operatin schwerbehindert bin.

Gruesse
Hans


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