Was zahlt das Amt zusätzlich, bei einem Niedriglohnjob?

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Franzi
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Was zahlt das Amt zusätzlich, bei einem Niedriglohnjob?

Ungelesener Beitragvon Franzi » 12.09.2006, 20:43

Meine Freundin bekommt inklusive Miete (momentan), € 1095,00 (€ 345,00 + Miete). Ihr neuer SB sagte ihr, dass wenn sie einen Job findet, bei dem sie weniger als diese Summe verdient, er ihr bis zu dieser Summe aufstocken wird. Die € 345,00 reichen momentan gerade mal für die Festkosten (Telefon/Internet, Handy, Strom, Monatskarte, Versicherungen, Praxisgebühr und Rezepte). Meine Freundin raucht und trinkt nicht, besitzt kein Auto und geht auch nicht mehr aus. Zu Bewerbungen trägt sie einen sieben Jahre alten Anzug und was das Essen angeht, ist sie auf die örtliche Tafel und auf Freunde angewiesen.

Letzte Woche hatte sie ein zweites Vorstellungsgespräch bei der selben Firma (32,5-Stunden Job als Sekretärin) und es sah gut aus. Doch dann kam die Gehaltsnennung, € 1.500,00 brutto, wovon ihr knapp über € 900,00 übrig bleiben würden. Leider sah man ihr das Dilemma wohl auch am Gesicht an.

Der Arbeitgeber war sich sicher, dass meine Freundin schon einen Job hat (gut zu wissen, dass die Gehälter in den Keller sinken, weil Arbeitgeber sich sicher sind, dass man schon 1-2 Jobs hat) und dies ihr zweites Standbein wäre. Heute kam die Absage. Sie telefonierte heute auch mit einer Jobvermittlerin von früher (anderem Jobcenter), um sich einen neuen Termin geben zu lassen und diese SB war sehr überrascht über die Zuzahlungsaussage von dem SB meiner Freundin. Nach ihrer Meinung würde zu so einem Gehalt mehr dazugezahlt, um den Reiz so einen Job anzunehmen zu fördern. Sollte es aber tatsächlich so sein, wie der SB meiner Freundin ihr erzählt hat, dann hat sich einiges aber gravierend zum Negativen geändert, meinte die Jobvermittlerin vom anderen Jobcenter.

Jetzt ist meine Freundin total verwirrt. Was ist jetzt richtig? Sie ist 41 und schon wegen diesem Alter hat ihr alter SB ihr mal gesagt, dass bei einem Niedriglohnjob (also ausgehend vom Nettogehalt), man ihr bis zu € 700,00 zuzahlen würde. Sie ist Steuerklasse 1.

Was sind jetzt die konkreten Zuzahlungsmöglichkeiten vom Amt, wenn man einen Job annimmt (sie wohnt in einer Großstadt), der nicht mal die Festkosten deckt?

brummbär

Re: Was zahlt das Amt zusätzlich, bei einem Niedriglohnjob?

Ungelesener Beitragvon brummbär » 13.09.2006, 08:18

Moin, moin,
wenn deine Freundin alleine lebt, erscheinen mir 750,00€ Miete exterm hoch! Ich befürchte da stimmt was nicht.
Die Aussage, der Regelsatz reiche mal gerade für die Fixkosten kann nur bedeuten, dass da jemand über die Verhältnisswe lebt. KAnn natürlich stimmen, wenn die Telefonrechnung monatlich 150,00 € und mehr beträgt.
Aber zum Theme ergänzendes ALG II zu Erwerbseinkommen:
Genau wie bisher wird der Bedarf festgestellt. Dem Bedarf wird das Einkommen gegenübergestellt. Dabei wird hier nicht das gesamte Nettoeinkommen angesetzt, sondern eine Bereinigung durchgeführt.
Ergibt die Berechnung, dass der errechnete Bedarf höher ist, als das anrechenbare Einkommen, wird die Differenz aus ALG II bezahlt. Gegebenenfalls muss noch geprüft werden, ob Wohngeld ausreicht um die Lücke zu schließen.
Gruß Frank

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Franzi
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Re: Was zahlt das Amt zusätzlich, bei einem Niedriglohnjob?

Ungelesener Beitragvon Franzi » 13.09.2006, 10:10

Hallo Frank,

also Jemanden zu unterstellen, er lebe mit € 345,00 über seinen Verhältnissen finde ich traurig, zumal Du diese Person nicht kennst.

Die Miete ist € 520, 00 kalt und € 230,00 Umlagen. Ihr SB sagte ihr, die Umlagen werden übernommen, aber man wird sie bitten sich eine günstigere Wohnung zu suchen, da für 50 qm bei uns und dem entsprechenden Baujahr, € 432,00 gezahlt werden. Sie wohnt wie ich in Frankfurt, einer Großstadt und da sind günstige Wohnungen rar oder werden nur an Geringverdiener vermietet. Sagst Du einem Vermieter Du bist Arbeitslos, kannst Du es eh vergessen sich überhaupt vorstellen zu können und jetzt mit der Gesetzänderungen, dass man auch die Mietzuschüsse kürzen kann, sinken hier in der Großstadt die Chancen gleich auf -0, hier als Arbeitsloser überhaupt eine günstigere Wohnung zu finden.

Ihr SB gab ihr eine Liste von Wohngesellschaften, die sie wie ich kennt. Eine gibt es nicht mehr und die Meisten, ja die meisten von denen, geben dem Wohnungsamt ein paar Wohnungen und rufst Du diese Firmen direkt an, wird Dir gesagt, dass diese an Arbeitslose nicht vermietet werden. Beim Wohnungsamt war ich zwei Jahre Dringlichkeitsstufe 1, doch bekam ich nie ein Angebot von denen, also denke ich, hat sie auch nichts zu erwarten.

Soweit ich weiß, gehe die € 345,00 für folgende Kosten weg:

1. Telefon und Internet = € 75,00
2. Handy = € 20,00
3. Monatskarte = € 63,00
4. Strom = € 35,00
5. Zusatzzahnversicherung (was sie wirklich dringend braucht) = € 19,00
6. Hausratversicherung = € 13,00
7. Haftpflicht = € 15,00
8. 3 Rezepte pro Quartal = € 5,00 pro Monat
9. 2 Praxisgebühren im Quartal = € 7 pro Monat
10. Schuldenabbau = € 25,00

Machen € 270,00 also bleiben ihr gerade noch € 75,00 zum Leben.

Jetzt wird bestimmt Jemand bezüglich der Internet-/Telefonkosten was sagen, doch weiß ich, dass sie jede Woche mindestens acht Stunden intensiv, also Zweimal vier Stunden in der Woche, nach Jobs sucht. Würde sie dafür in ein "günstiges" Internetcafe gehen, würde sie das pro Monat locker € 80,00 kosten und wir haben die Kosten für das Drucken der Angebote, der Bewerbungen und den Telefonkosten noch nicht miteinkalkuliert. Also fährt sie so günstiger, da sie eine Flatrate hat.

Sternlibelle

Re: Was zahlt das Amt zusätzlich, bei einem Niedriglohnjob?

Ungelesener Beitragvon Sternlibelle » 13.09.2006, 10:45

Hi franzi,
ich denke nicht das jemand über seine verhältnisse lebt, wenn er arbeiten geht und sich diese positionen gönnt. Denn er arbeitet eben um diese verhältnisse aufrechterhalten zu können. Allerdings muss ich da frank recht geben. Als Empfänger von sozialleistungen diese genannten dinge weiterhin aufrechtzuhalten, ist "über seine verhältnisse leben." und eben luxus.
Das diese kosten relativ "normal" sind ist mir auch klar. ich hab auch so eine telefonrechnung und strom etc... Allerdings sind versicherungen meiner meinung nach Luxus. Wie gerne hätte ich verschiedene Versicherungen um mich irgendwie abzusichern, aber es geht eben nicht. Deine Bekannte sollte versuchen die erwerbslose zeit irgendwie so zu überbrücken und die versicherungen ersteinmal behalten. Sie würde sich ärgern wenn die die kündigt und 1 monat später nen job hat
Ich muss allerdings noch dazu sagen. Jemand der solche dinge sich "Leisten" kann aber dann zur "tafel" geht, find ich ne heftige sache und eigentlich nicht richtig. Ich dachte sowas wäre für die richtig notleidende menschen. Naja, geht mich im prinzip auch nichts an.
Zu deiner Frage: du muss einen bestimmten Betrag als "existenz"minnimum zur verfügung haben, ansonsten bist du hilfebedürftig. Wenn sie weniger verdienen sollte, z.b. 900 Euro, kann sie Hilfe zum Lebensunterhalt beantragen. Ich denke das wird dann im endeffekt genauso hoch werden wie sie es bisher auch bekommen hat.


brummbär

Re: Leben über Verhältnisse

Ungelesener Beitragvon brummbär » 13.09.2006, 13:38

Moin, moin Franzi,

schade, dass Du meine Antwort auf die geäußerten kritischen Feststellungen reduzierst. Wenn ich nur negativ eingestellt wäre, wie Du unterstellst, hätte ich mir den zweiten Teil sicher geschenkt.
Wie auch schon die Libelle weiter oben sagt, kann man sich bei ALG II gewisse Dinge nicht leisten. Das ist einfach so und ist überhaupt nicht moralisch gemeint.
Der Regelsatz ist sowieso mehr als eng kalkuliert! Da ist dann einfach kein Platz für einige Sachen, die eigentlich normal sind. Das ist für ALG II Empfänger/innen dann leider nicht normal. Entschieden habe das nicht ich, sondern die Menschen, die im Regelsatz kalkuliert haben, was ein Mensch so braucht in der BRD. 75 Euro tel und Net sind sowieso extrem; da gibt es Anbieter, die deutlich günstigere Angebote inkl Flat machen.
Gruß Frank

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Re: Was zahlt das Amt zusätzlich, bei einem Niedriglohnjob?

Ungelesener Beitragvon Franzi » 13.09.2006, 16:51

Hallo Sternlibelle,

also die örtliche Tafel (kenne mich da aus, habe dort meinen € 1,50 Job gemacht), verteilt Lebensmittel an jeden, der einen sogenannten Frankfurter Pass hat oder der nachweisen kann, dass er eine minimale Rente, Sozialhilfe oder ALG II bekommt.

Ich habe erst im Juli von meiner Ablösung dort erfahren, dass die Tafel extrem viel Essen wegwerfen muss (unglaublich, aber wahr). Seitdem ich dort weg bin, haben die keine zwei, sondern vier Ausgabestellen in Frankfurt und Offenbach. Dazu werden täglich diverse Häuser beliefert.

Wie aber schon gesagt. Meine Freundin kümmert sich intensiv um einen Job. Würde sie jede Woche 8 Stunden im Inet-Cafe sitzen, wären das alleine an Surf- und Schreibkosten, € 80,00. Dazu kämen noch die Ausdrucke. Deshalb die Flatrate, etc. Durch das spart sie auch die Kosten für die örtlichen Zeitungen (wären auch locker noch € 6,00 pro Wochenende), weil sie die Stellen im Netz finden kann. Dafür braucht man aber Geduld und Zeit und wenn man per Stunde bezahlt, da hätte man dann halt den Zeitdruck, Kosten zu sparen.

Sie ist halt motiviert und wenn sie für eine Jobsuche das Geld ausgibt, dann ist es ein "Luxus", den ich ihr gönne.

Bezüglich der Versicherungen. Jeder Vermieter heute in meiner Stadt den ich kenne, verlangt nachweislich, dass Du eine Haftpflicht- und eine Hausratversicherung hast. Ist ja auch verständlich, also sind das zwei Versicherungen, die sie nicht aufgeben kann. Was die Zusatzzahnversicherung angeht, so hat die sich schon mehr als gelohnt.

Nur ein Beispiel, wie eine andere Freundin von mir lebt (Thema wurde hier von mir schon ausführlich beschrieben und angeblich sei ich neidisch auf sie, weil ich sie als eine Sozialschmarotzerin betitelt habe):

Sie, arbeitslos seit drei Jahren sucht auch nach keinem Job. Sie bekommt € 345,00 ALG II und € 450,00 Kaltmiete + Umlagen. Die Kaltmiete gibt sie aber nicht an ihren Vermieter weiter, weil es ihr Bruder ist, mit dem sie einen fiktiven Mietvertrag aufgesetzt hat. Somit hat sie für sich zum Leben, € 795,00. Davon gehen locker alleine für Markenzigaretten € 250,00 pro Monat weg. Von Fr-So. geht man auf Sauftour, obwohl sie bestreitet ein Alkoholkproblem zu haben. Das nene ich nicht nur Verschwendung, sondern auch Beschiss. Da liegt meine andere Freundin mit ihren € 75,00 für Internet/Telefon ja extrem im Rahmen und das Geld wird wie gesagt nicht für das Vergnügen, sondern für die Jobsuche ausgegeben.

Sternlibelle

Re: Was zahlt das Amt zusätzlich, bei einem Niedriglohnjob?

Ungelesener Beitragvon Sternlibelle » 13.09.2006, 17:03

Hi
klar, es gibt eben diese sorte und die andere Sorte.
Ich behaupte ja auch nicht das es richtig ist, oder das deine freundin was tut oder geld für sachen ausgibt die nicht richtig sind.
Aber die fakten sind eben, das es für alle gleiches geld gibt. Und diese "extras" sind eben nicht mit eingeplant, und es wird die wahrscheinlich auch in zukunft nicht geben.
Zudem kann man ( soweit ich weiß, bin mir da nicht sicher) auch beim Arbeitsamt kostenlos ins internet, zudem bewerbungschreiben ausdrucken, vielleicht auch zwecks vorstellungsgespräche telefonieren?etc...

Ich möchte eigentlich nicht das Handeln der anderen harz IV empfänger rechtfertigen. Aber ich muss auch dazu sagen, das Alkoholismus eine Sucht ist und zudem Sucht eine Krankheit ist, und ich daher "nachvollziehen" kann das diese Frau alles dafür tut( auch betrug) um ihren Konsum an Alkohol zu bekommen.Und glücklich ist sie sicherlich nicht damit;)
Allerdings wenn es dich so stört das jemand sozialbetrug begeht, dann erstatte doch einfach anzeige;) Wenn das geld nicht an den Bruder geht, denke ich das es das Sozialamt durchaus interessant finden würde. Zudem wird man so ein verhalten aber auch nicht ändern können. Denn wer sagt das man zumindestens von dem regelsatz 345 Euro auch das ausgeben muss, wofür es bestimmt ist. man könnte auch die 345 Euro versaufen;)und dann würds wieder keinen Interessieren?!

Lg Sternlibelle


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